Abdulla Ali AlSemoon

Abdulla Ali AlSemoon, ein ehemaliger Fußballprofi, der sowohl für die Fußballnationalmannschaft Bahrains (2007/08) als auch für den Busaiteen Club spielte, ist derzeit willkürlich im Jau-Gefängnis inhaftiert. Am 19. April 2014 wurde Abdulla verhaftet, nachdem in seinem Auto eine Bombe explodierte. Im Anschluss an seinen Krankenhausaufenthalt wurde er gefoltert demzufolge in einem unfairen Prozess verurteilt.

Ein Jahr zuvor, am 28. Januar 2013, wurde Abdulla´s Haus durchsucht und die Polizei verhaftete seinen Bruder Jaber ohne, dass Abdulla´s Name erwähnt wurde. Als Jabers Fall jedoch vor Gericht kam, wurde Abdulla genannt und er wurde mit der Ausschreitungen und illegalen Versammlungen im Dorf Karbabad beschuldigt.

 

Am 2. Oktober 2013 wurde Abdulla im „Fall Karranah“ wegen Ausschreitungen und illegaler Versammlung angeklagt und in Abwesenheit zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Monate dannach, am 8. Dezember 2013, zu dem Zeitpunkt als Jaber zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, sprach man Abdulla frei.

 

Am 19. April 2014 wurde Abdulla, nach der Bombardierung seines Autos, von Bürgern des Dorfes Al-Maqsha in das Internationale Privatkrankenhaus von Bahrain gebracht. Im Anschluss daran wurde er verhaftet und in das Al-Salmaniya Medical Hospital verlegt, wo vor seinem Krankenhauszimmer maximale Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Die Verhaftung erfolgte durch bahrainischen Streitkräfte, einschließlich Zivilkräfte, Bereitschaftspolizei und dem Kommando der Sondersicherheitskräfte (SSFC); Offiziere dieser Kommandos waren sowohl am Ort der Explosion als auch im Krankenhaus anwesend.

 

Abdulla kannte den Grund für seine Verhaftung nicht, war sich aber bewusst, dass die bahrainischen Streitkräfte wegen der Vorladung, welche seine Familie erhielt,  nach ihm fragten. Aufgrund der schweren Verletzungen blieb Abdulla zwei Monate lang im Krankenhaus, von denen er einen Aufenthalt im Koma lag. In den letzten zwei Wochen seines Aufenthalts wurde er dann drei bis vier Tage lang verhört, bevor er am 17. Juni 2014 in das Gebäude der Kriminalpolizei verlegt wurde. Am 18. Juni 2014 wurde er in das Dry Dock Detention Center verlegt.

 

Abdulla wurde in zwei Fällen angeklagt: 1) illegale Versammlung und Ausschreitungen in der Region Karranah und 2) illegale Versammlung und Ausschreitungen mit Herstellung und Besitz von Sprengkörpern im Falle der Explosion in Al-Maqsha. Am 2. Oktober 2013 wurde Abdulla aufgrund der ersten Anklage zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt; dieses Urteil wurde am 9. Dezember 2014 und erneut am 18. November 2015 vom Kassationsgericht bestätigt.  Am 30. September 2015 wurde Abdulla im Beisein seines Anwalts im Rahmen der zweiten Anklage zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil wurde am 26. Mai 2016 aufrechterhalten ohne, dass Abdulla, seit Beginn seiner Vernehmung und während des Prozesses, seinen Anwalt sprechen durfte.

 

Die von der Kriminalpolizei und den Sicherheitskräften eingeleitete Folter wurde praktiziert, um ein Geständnis zu erzwingen. Obwohl Adbulla nicht gestanden hat, wurde er gezwungen, im Al-Salmaniya-Krankenhaus Papiere zu unterschreiben, ohne deren Inhalt zu kennen.

 

Die Verhörprozeduren und die der Staatsanwaltschaft wurden im Krankenhaus von Al-Salmaniya abgeschlossen. Abdulla wurde misshandelt und psychologisch gefoltert. Trotz den schweren Verletzungen wurde er von Mitgliedern der Sicherheitskräfte beleidigt und bedroht, die medizinische Ausrüstung entfernen zu lassen. Einige Offiziere drohten, ihm den Schlaf zu entziehen oder das medizinische Personal bei der Ausübung ihrer Arbeit zu hindern. Außerdem wurde Abdulla von Mitgliedern der Sicherheitskräfte in Ketten gelegt, die ihn unbeweglich hielten, selbst als sein Arzt die Entfernung der Ketten forderte. Darüber hinaus wurde Abdulla im Dry Dock Detention Center verschiedenen Formen von Misshandlungen ausgesetzt, er wurde beleidigt und trotz seines schlechten Gesundheitszustands zu bestimmten Sportbewegungen gezwungen und erniedrigenden Durchsuchungen unterzogen. Zudem wurden seine Krücken und Medikamente beschlagnahmt, während er nicht laufen konnte, und er blieb folglich eine Zeit lang im Rollstuhl.

 

Am 30. September 2015, nach seiner Verlegung in das Zentralgefängnis von Jau verlegt, wurde Abdulla schwer geschlagen und beschimpft. Außerdem wurde ihm die freie Ausübung seiner Religion untersagt. Weswegen Abdulla selbst beim Ombudsmann eine Beschwerde über das Verbot der Ausübung der Ashura Rituale im Jahr 2018 einreichte. Daraufhin wurde er dann in Einzelhaft genommen.

 

Da Abdulla seine Behandlung nicht abschließen konnte, benötigt er neben einer Physiotherapie für die Schnittwunde an den Nerven in seinem Fuß, immer noch eine Operation für die Heilung seiner gerissenen Sehne. Die Gefängnisverwaltung weigert sich jedoch, seinen Forderungen nachzukommen. Er leidet deswegen immer noch unter verschwommener Sicht, einer gerissenen Sehne, dem Schnitt in den Nerven in seinem Fuß sowie unter Brandwunden und starken Rückenschmerzen. Seine Familie reichte mehrere Beschwerden beim Ombudsmann des Innenministeriums ein, aber Adbulla erhielt nicht die erforderliche Behandlung und bleibt im Jau-Gefängnis.

 

Seine Familie hat ihn nach der Explosion gesehen, um eine der notwendigen Operationen für seine Behandlung zu unterschreiben. Während Abdulla jedoch im Koma lag, durfte seine Familie ihn zwei Wochen lang nicht besuchen, weil die Staatsanwaltschaft ihnen den Zugang verweigerte.Seine Schwester wurde ebenfalls verhaftet, nachdem sie ein Foto von Abdulla aufnahm, als er vom Privatkrankenhaus nach Al-Salmaniya verlegt wurde. Daraufhin wurde ihr Telefon im Gebäude der Kriminalpolizei beschlagnahmt und sie musste eine Stellungnahme unterzeichnen.

 

Die Abdulla´s Verfahren verstößt gegen die internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Bahrains, einschließlich des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR), des Übereinkommens gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (CAT) und des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESCR).

 

Abdulla´s Festnahme ohne Haftbefehl und seine willkürliche Inhaftierung verstoßen gegen die Artikel 9, 10 und 14 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR).  Darüber hinaus stellt die Anwendung von Folter eine erhebliche Verletzung von Artikel 14 des ICCPR und des CAT dar. Zusätzlich stellt das Verbot seine Religion auszuüben einen Verstoß gegen Artikel 26 des ICCPR dar, der besagt, dass jeder das Recht hat, seine eigene Religion auszuüben. Abdulla´s Fall verstößt auch gegen Artikel 12 des ICESCR, welcher vorsieht, dass jeder das Recht hat, den höchstmöglichen Standard an körperlicher und geistiger Gesundheit zu genießen.

 

Americans for Democracy & Human Rights in Bahrain (ADHRB) fordert die Regierung von Bahrain auf, Abdulla freizulassen. Wenn ernsthafte strafrechtliche Verurteilungen gegen Abdulla aufrechterhalten werden sollten, fordern wir, dass jedes Wiederaufnahmeverfahren in Übereinstimmung mit internationalen Standards für einen fairen Prozess durchgeführt wird. Darüber hinaus fordern wir eine Untersuchung der Foltervorwürfen von Abdulla, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Schließlich fordern wir die Regierung auf, Abdulla und alle Personen in den Gefängnissen und Haftanstalten mit angemessener medizinischer Versorgung und Medikamenten zu versorgen.

 

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